„An evening with Nightwish in a virtual world“: Floor & Band überzeugen musikalisch auf ganzer Linie – und enttäuschen mit einem etwas glanzlosen Setting.

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Mehr als ein Jahr ist vergangen, als Human. :||: .Nature, das neunte Studioalbum von Nightwish, veröffentlicht wurde. Und mehr als ein Jahr mussten sich Fans von Floor Jansen & Co gedulden, das von Dark Divas mit 5/5 Sternen bewertete Album live spüren und hören zu dürfen – Corona-bedingt in Form von zwei Streaming-Gigs. Aber nicht „nur“ das Live-Erlebnis ließ die Augen von Fans und Fachpresse auf die beiden Abende richten – auch der angekündigten Präsentation des neuen Session-Bassisten wurde entgegengefiebert. Kurz und bündig: Den Posten von Marko Hietala wird (zumindest während der anstehenden Welttournee) Jukka Koskinen von Wintersun, einer finnischen Melodic-Death-Metal-Band, übernehmen.

Spielfreude auf höchstem Niveau

Der Gig startet mit der virtuellen Reise in „The Islanders Arms“, eine Taverne – so wirkt es – am Ende der Welt. Mit einem Heißluftballon reist die Band an den Schauplatz des Geschehens und schöpft mit Noise, der ersten Single von Human.:||:.Nature, gleich aus den Vollen. Der kraftvolle Song läutet musikalisch beeindruckende 100 Minuten ein. Nightwish – und im Speziellen Floor – stellen ihre hohe künstlerische Qualität unter Beweis. Die erzwungenen eineinhalb Jahre Band-Pause haben der Spielfreude und der Harmonie keinen Abbruch getan – trotz des zwischenzeitlichen Abgangs von Marko. Das hört man vor allem beim großen Finale, das mit „Ghost Love Score“ und „The Greatest Show On Earth“ standesgemäß über die Bühne geht. Die beiden epischen Nightwish-Hymnen klangen nie besser – erstere, und da lehnen wir uns weit hinaus, auch nicht beim legendären Wacken-Gig 2013. Beeindruckend!

In der 16 Songs umfassenden Playlist (Setlist Abend 1 | Setlist Abend 2) sind fünf Nummern von Human.:||:.Nature zu finden. Ein absolutes Highlight: Die Acoustic-Variante von „How’s the Heart?“, die Floor am ersten Abend im Duett mit Troy performte. Eine wunderschöne Version, die die einzigartige Stimme der Niederländerin, die sich während den Proben zum Konzert einer OP unterziehen musste, unterstrichen hat. Die einstigen Gesangparts von Marko hat im übrigen allesamt Troy übernommen. Und auch wenn die Stimme von Troy eine weniger markante Klangfarbe als jene von Marko hat, harmoniert sie doch hervorragend mit Frontfrau Floor.

Mit „Élan“, „Nemo“ und „Storytime“ waren Nightwish-Live-Klassiker genauso wie die eine oder andere Überraschung in der Setlist zu finden. Darunter etwa „Bless the Child“, „Planet Hell“ oder – am zweiten Abend – die wunderschöne Ballade „Sleeping Sun“. Gänsehaut pur: Das Finale von „Shoemaker“. Wow! Insgesamt zeigte Nightwish eine stimmige Mischung aus neuem Material und etablierten Hits, die das beeindruckende und neun Alben umfassende Repertoire der Band gut wiedergespielt hat.

Kulisse kann nicht mithalten

Und trotz der hohen musikalischen Qualität: Für einen Ticket-Preis von 46.- Euro für beide Abende hätte man sich mehr erwarten dürfen. Am Setting, zweifelsohne wurde eine grafisch imposante Märchenkulisse geschaffen, hat man sich nach zehn Minuten satt gesehen. Die Band performt während der gesamten 100 Minuten vor einem riesigen Green Screen und wirkt während des Gigs zum Teil seltsam deplatziert – jedenfalls aber nicht authentisch. Auch wenn ein umfängliches Live-Erlebnis bei einem Streaming-Gig freilich nicht zu erwarten ist, so konnten etwa Beyond the Black dieses Gänsehaut-Feeling vor kurzem im Rahmen ihres Streaming-Gigs deutlich besser transportieren – ein budgetär empfindlich kleinerer Stern am Metal-Himmel.

Foto: Screenshot „An Evening with Nightwish in a virtual world“

Nightwish gehören, das verlangt bereits das theatralische Genre Symphonic Metal, auf eine große Bühne – nicht vor den Green Screen. Hinzu kommt, dass die typischen Green-Screen-Effekte, etwa unscharfe Maskierungen an den Haaren, der Performance streckenweise einen unprofessionellen Touch verliehen haben. Und auch wenn es ein Streaming-Konzert war: Man hat die Band seit mehr als 2 Jahren nicht mehr live gesehen – etwas mehr Interaktion mit den Fans vor den Bildschirmen wäre wünschenswert gewesen. Die beiden Abende haben sich derweil, mit Ausnahme kleiner Setlist- und Outfit-Anpassungen, de facto nicht voneinander unterschieden.

Das – in unserem Empfinden – langweilige Setting soll die musikalische Top-Performance der Band aber nicht schmälern. Die Fans dürfen sich sicher sein: Die Pandemie hat an vielem gezehrt – nicht aber an der Qualität der finnischen Symphonic-Metal-Giganten von Nightwish. Summa summarum vor allem ein hörenswertes Erlebnis!

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