Die Band rund um Jennifer Haben hat mit Origins ein bemerkenswertes, kurzweiliges und einzigartiges musikalisches Erlebnis geschaffen.

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„Origins – The Online Acoustic Experience“ heißt der knapp 75-minütige Streaming-Gig von Beyond the Black, der gestern Abend Covid-konform und somit ohne Publikum seine Premiere feierte. Und tatsächlich hat die Band rund um Frontfrau Jennifer Haben im Vorfeld des Gigs nicht zu viel versprochen: Origins wurde zu einem ganz besonderen musikalischen Erlebnis. Die Wacken Acoustic Clash, an der die Band im vergangenen Advent sehr erfolgreich teilgenommen hatte, ließ bereits erahnen, in welches Fahrtwasser man sich begibt. Und das Kalkül, an den damaligen Applaus der performten Cover-Versionen anzuschließen, ist aufgegangen.

„Seele“ neu arrangiert

Beyond the Black klangen nie besser. Auch wenn sich die Band am Piano, am Bass und mit den Backing Vocals ausgezeichnete Unterstützung auf die Bühne holten (und damit etwas mehr Volumen), lässt sich der Spirit an diesem Abend nicht alleine dadurch erklären. Vielmehr wurden die Songs im Vorfeld regelrecht seziert, auf ihre Seele reduziert und auf dieser Basis schließlich neu arrangiert. Das Ergebnis klingt nicht nur charmant-anders, der Sound von Beyond the Black klingt deutlich reifer.

Mit Handbremse auf hohen Touren

Wer sich eine Acoustic-Show im Stile eines MTV-Unplugged erhofft hatte, wurde überrascht. Die Band fährt bei Origins (im Verhältnis) zwar mit angezogener Handbremse – lässt den Motor aber auf konstant hohen Touren weiterlaufen. „Heart of the Hurricane“, „Hallelujah“ oder „In the Shadows“ werden so zu mid-tempo Acoustic-Nummern, die die Couch zum mittanzen zwingen. Apropos „In the Shadows“: Covid-bedingt wurde Fabienne Erni von Eluveitie, eine von drei Gast-Musikerinnen an diesem Abend, mittels Videoschaltung in die Messehalle geholt. Die Hologramm-ähnliche Einspielung hatte nicht nur viel Charme, sondern zauberte etwas „Star Wars“-Atmosphäre auf die Bühne. Top!

Nicht nur für Jennifer ein Highlight: „Shine and Shade“. Das neue Arrangement des Songs erlaubte gar einen funkigen Blues-Einwurf des Pianisten. Dinge, die man im Stil-Repertoire einer Metal-Band ansonsten eher selten zu hören bekommt.

„Breeze“, eine zauberhafte Ballade, unterstrich die wunderschöne Stimme von Jennifer zum Finale hin nochmals. Unterstützt vom „Metal Kids Choir“ wurde der Abend emotional zu einem stimmigen Abschluss geführt. Und machte – wohl nicht nur uns – deutlich, wie sehr Live-Erlebnisse wie diese fehlen. Denn: Ohne Kunst wird’s still.

Noch besser: Live statt Aufzeichnung

Wenn man denn etwas zu kritisieren finden möchte: Origins wäre noch stimmiger gewesen, hätte es sich wirklich um einen gestreamten Live-Gig, nicht „nur“ um eine Aufzeichnung gehandelt. Die 75 Minuten Beyond the Black waren nicht vollständig aus einem Guss, die Schnitte während den einzelnen Songs trübten das Erlebnis etwas.

Das ist Jammern auf hohem Niveau. Beyond the Black haben mit Origins ein bemerkenswertes, kurzweiliges und schlicht einzigartiges musikalisches Erlebnis geschaffen. Die Band zeigt, was sie musikalisch drauf hat – und warum sie zurecht der aufstrebende Stern am Metal-Himmel ist. Es bleibt zu hoffen, dass der Gig nach dem morgigen Abend auch noch in anderer Form konserviert wird – Band und Fans hätten es sich verdient.

Noch bis Sonntagabend besteht die Möglichkeit, „Origin – The Online Acoustic Experience“ hier anzusehen. Es lohnt sich!

Update vom 18. April 2021: Origins kann nun bis Freitag, 23. April 2021 angesehen werden!

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