Simone Simons & Band kündigten das größte Konzerterlebnis der Band-Geschichte an – und ließen den Worten auf imposante Art und Weise Taten folgen.

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Es war ein Konzert der Superlative – und das mit Ankündigung: „Omega Alive“ solle die größte Show der Band-Geschichte werden, hieß es im Vorfeld wenig zurückhaltend. Ein gefährliches Marketing-Spiel, an dem sich nicht wenige Bands schon die Finger verbrannt hatten.

Aber andere Bands sind eben nicht Epica. Die Niederländer rund um Frontfrau Simone Simons kündigen nicht einfach nur an. Sie liefern. Und das mit Wow-Effekt.

Simone glänzte

Wo also fängt man beim Review einer Show an, in der Chöre, Balletttänzer*innen, Feuerkünstler*innen, Regen, einen brennenden Flügel oder einen Kinderchor zum Repertoire zählen? Genau: Bei der Hauptdarstellerin. Selten zuvor konnte man das Multitalent Simone Simons auf der Bühne in so tiefer Harmonie mit ihrer Umgebung erleben. Simone wirkte bei „Omega Alive“ offener und nahbarer als bei anderen Konzerten, was auch der ausgezeichneten Kameraführung und der langen Bühnenabstinenz geschuldet sein mag. In der Epica-Frontfrau brannte das Bühnenfeuer lichterloh – und damit zog sie die Zuschauer*innen von Takt eins an in ihren Bann. Stimmlich? Simone glänzte, allen voran bei der wunderschönen Chor-Neuinterpretation der Omega-Ballade „Rivers“.  

Klotzen, nicht kleckern

Die Setlist: Eine bunte Mischung aus 20 Jahren Band-Geschichte – auf „Unleashed“ oder „Sancta Terra“ wartete man aber vergebens. Die Show wurde in fünf Akte unterteilt, die nicht nur mit Outfit-, sondern auch mit Setting-Änderungen einhergingen. Sechs der 14 performten Songs sind auf dem neuen Album Omega zu finden. Darunter die Opener und Single-Auskoppelungen „Abyss of Time“ und „The Skeleton Key“. Und bereits zu Beginn der Show hieß es: Klotzen, nicht kleckern. Balletttänzer*innen und ein Kinderchor zauberten Burgtheater-Flair in das belgische Studio, Feuerkünstler*innen unterstrichen mit ihrer Performance den Hymnen-Charakter von „Unchain Utopia“.

Ein Highlight: Der dritte Akt „Elysia“, der mit dem ersten und dritten Teil der „Kingdom of Heaven“-Trilogie musikalische Gustostücke auf einem verbrannten Klavier servierte. Ein Augen- und Ohrenschmaus!

Emotionsgeladenes Finale

Wer nach der Auflösung für das etwas kryptische „Alpha∞Omega“-Rätsel gesucht hat, fand sie in „Cry for the Moon“. Die dritte Single von Epica’s erstem Album „The Phantom Agony“ (und somit das Alpha der Band), markierte zugleich die Einleitung für das Finale von „Omega Alive“ – Liebeserklärung an Fans und Team inklusive. Eine schöne Geste! Die 105-minütige Show gipfelte im epischen Finale des neuen Albums: „Sovereign of the Sun Spheres“. Eine Nummer, die mit ihrem grandiosen Crescendo viel Pathos verstreut – und die Fans mit einem verzauberten Lächeln in die Nacht verabschiedete.

Zu viel Inszenierung?

Kritikpunkte sucht man bei „Omega Alive“ lange – um dann im Detail fündig zu werden. Die Epica-„Cheerleader“ bei „Freedom – The Wolves Within“ waren too much – und standen stellvertretend dafür, dass das Spektakel in einigen Momenten etwas zu sehr einstudiert war. Die Bewegungen, die Überraschungsmomente, die Interaktionen waren so perfekt inszeniert, dass die natürliche Harmonie eines Live-Konzertes, die zwischen Band und Fans entsteht, verloren ging. Ein Umstand, den Epica aber durchaus bewusst herbeigeführt haben – denn wo keine Fans im Publikum, da kein reguläres Live-Erlebnis. Was also tun? Genau. Man treibt das Show-Erlebnis auf die Spitze und reiht Wow-Moment an Wow-Moment. Da nimmt man es auch wohlwollend zur Kenntnis, dass die Show aufgrund ihres Umfanges nicht live aufgeführt werden konnte. „Omega Alive“ war – wie de facto alle Streaming-Events – eine Aufzeichnung.

Wenn man denn der Pandemie etwas Positives abgewinnen möchte: Ein Meisterwerk wie „Omega Alive“ wäre uns andernfalls nicht geschenkt worden. Alles andere als eine weitere Verwertung des Konzertes wäre ein Hohn der beeindruckenden Arbeit von Epica und dem Team dahinter. Ein wahrlich episches Feuerwerk!

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