„Wir wollen eine ordentliche Dosis Vorbild sein"

Anna Brunner und Marina La Torraca sprechen mit Dark Divas über die Evolution von Exit Eden und das neue Album, die lustige Geschichte, wie die Zusammenarbeit für „Run!" mit Marco Hietala entstanden ist – und den großen Support ihrer Fans.

Christian von Dark Divas

CHRISTIAN VON DARK DIVAS

12. Jan. 2024

Interview
Exit Eden
Anna Brunner
Marina La Torraca
Clémentine Delauney
Image

Das neue Album ist da. Wie aufgeregt seid ihr?

Anna: Es ist super aufregend, denn es ist schon so lange her, dass das erste Album veröffentlicht wurde. Manchmal kann ich kaum glauben, dass das jetzt wirklich passiert. Dass wir wirklich dieses zweite Album veröffentlichen.

Marina: Es ist genau das gleiche Gefühl für mich. Es ist immer noch ein bisschen schwer zu glauben, dass es jetzt wirklich da ist, weil wir so lange darauf gewartet haben.

Anna: Und das Verrückte ist, dass die Songs schon irgendwie ein Teil unseres Lebens geworden sind. 

Ihr habt angefangen, eure eigenen Songs zu schreiben, statt nur Cover-Versionen zu machen. Warum habt ihr euch für diese Richtung entschieden?

Anna: Nachdem das erste Album veröffentlicht und es etwas ruhiger wurde, haben wir bereits darüber nachgedacht, eigene Songs für das zweite Album zu machen, falls es überhaupt eines geben würde. Und als wir den kreativen Prozess für das zweite Album gestartet haben, fingen wir an, diese Songs zusammen mit unserem Produzenten Hannes Braun (Anm. Gesang bei Kissin’ Dynamite) zu schreiben.

Marina: Anna und ich sind normalerweise immer sehr motiviert, wenn es darum geht, unser eigenes Material zu schreiben. Ich denke, das ist etwas, das auch bei Exit Eden einfach so passiert ist. Wir haben zunächst nur über unser eigenes Zeug nachgedacht. Die Dinge funktionieren in unseren Köpfen ganz organisch.

Anna: Und wir sind auch wirklich glücklich, dass wir die Chance hatten, nicht nur ein Coveralbum aufzunehmen, sondern die Leute auch mit unserem eigenen Originalmaterial zu begeistern.

Image of Band

Exit Eden

Exit Eden ist eine Symphonic-Metal-Supergroup, die 2017 mit ihrem Debut-Album „Rhapsodies in Black" große Erfolge mit Coverversionen weltbekannter Hits gefeiert hat – darunter „Total Eclipse Of The Heart" mit mehr als 12 Millionen Views auf YouTube.

Mitglieder

Clémentine Delauney - Vocals Anna Brunner - Vocals Marina La Torraca - Vocals

War es möglich, mehr von euren eigenen Persönlichkeiten in die neuen Songs einzubringen, wenn alles von euch selbst geschrieben wurde?

Marina: Im Vergleich zum ersten Album definitiv. Wir haben immer noch unsere Rollen bei Exit Eden. Wir versuchen, uns innerhalb unserer Gruppenrollen an bestimmte Möglichkeiten zu halten. Da wir drei Sängerinnen sind, ist das anders als in unseren eigenen Bands. Bei Exit Eden ist es so, dass ich die Mezzosopran- und Musical-ähnlichen Teile übernehme, Anna ist offensichtlich aggressiver und rockiger, und Clémentine (Anm. Delauney, Gesang bei Exit Eden und Visions of Atlantis) bringt ihre eigene Interpretation in ihre Parts ein. Und so machen wir unser Ding. Aber gleichzeitig glaube ich, dass dort mehr von unseren eigenen Persönlichkeiten zu hören ist. Man hört mehr von Clémentine, man hört mehr von mir und man hört definitiv mehr von Anna, was sich jeder nach dem ersten Album gewünscht hat (lacht).

Anna: Du bist so süß!

Ist es schwierig, für drei Sängerinnen mit drei unterschiedlichen Stimmen zu schreiben? Oder ist es sogar einfacher, weil es ein viel breiteres Spektrum gibt, mit dem man arbeiten kann?

Anna: Ich habe während des Songwriting-Prozesses gar nicht so sehr an die verschiedenen Stimmen gedacht. Ich habe eher an einen Song ohne Arrangement gedacht und die verschiedenen Teile. Als ich meine Ideen für die Songs hatte, habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht, ob ich oder sonst wer das singen könnte, oder dass ich meine Persönlichkeiten oder Perspektiven geändert habe. 

Hold Back Your Fear ist eine Ausnahme. Das ist ein Song, der tatsächlich so geschrieben ist, dass man unterschiedliche Sängerinnen braucht, weil eine Person vorgestellt wird und dann die anderen beiden Personen die Geschichte aus anderen Perspektiven erzählen und darüber berichten.

Eure erste Single aus dem neuen Album, „Run!”, hat Marco Hietala (ex-Nightwish) als Gast und das Video ist durch die Decke gegangen. Kanntet ihr Marco schon vorher oder wie kam sein Beitrag zustande?

Marina: Das war eigentlich eine ziemlich lustige Geschichte. Unser Produzent Hannes hat einfach einen Teil zu diesem Song geschrieben, während ich im Studio aufgenommen habe. Wir mochten es sofort und dachten, dass Anna hier in der Art singen könnte, wie es Marco sonst tun würde. Es sollte damals nur eine Inspiration sein, und es klang großartig, also haben wir Annas Stimme im Studio aufgenommen und das war es.

Und dann, ein paar Wochen später, erhielt ich eine E-Mail mit der Nachricht, „Übrigens, Marco wird tatsächlich ‘Run!’ singen." Es stellte sich heraus, dass Hannes tatsächlich gefragt hatte, ob es eine Möglichkeit gäbe, Marco zu bekommen, und sie haben Marco kontaktiert und er hat zugestimmt.

Anna: Für mich wurde die Idee genau in diesem Moment geboren. Wir haben nicht einmal wirklich daran gedacht, ein Feature auf diesem Album zu haben, weil wir schon drei Sängerinnen sind. Es geschah einfach super spontan.

Ich weiß nicht einmal, wem ich das zuschreiben kann. Vielleicht dem Universum.

Das ist eine spannende Geschichte! Was ist euer Lieblingssong auf dem neuen Album?

Marina: Ich habe einen Lieblingssong, und es ist für mich sehr seltsam zu sagen, dass es mein Lieblingssong ist, weil ich darauf singe.

Anna: Ich dachte gerade, du würdest Dying in My Dreams sagen, den Song, den du mit Hannes geschrieben hast. Das fände ich absolut nachvollziehbar. (lacht)

Marina: Ich liebe Elysium. Seit ich das Demo gehört habe, war das schon mein Lieblingssong, und ich habe meine Meinung nicht geändert.

Anna: Ich liebe diesen Song ebenso. Er ist einfach so schön. Aber im Allgemeinen ist es schwer, einen Favoriten zu wählen.

Ich liebe Hold Back Your Fear, weil es so besonders ist, wie Marina damit den Song beginnt. Es ist so schön anzuhören, wie viel Emotion sie schon in den ersten Zeilen bringt . Und dann hat er einen so schönen Aufbau mit den verschiedenen Parts, und es passiert alle paar Sekunden etwas Neues.

Es sind sechs Jahre her seit eurem letzten Album-Release. Gab es irgendwelche Erkenntnisse oder Erfahrungen in euren anderen Bands, die in das neue Exit-Eden-Album eingeflossen sind?

Anna: Es passiert immer so viel persönliches, wenn man Musik oder Texte schreibt. Aber für mich hat sich nicht viel geändert. Ich denke, die neuen Songs sind sehr motivierend. Und mein Ziel ist es immer, einen Song inspirierend zu gestalten, sei es textlich oder von der Musik her. Wir versuchen, Menschen durch schlechte Zeiten zu helfen, und es spielt keine Rolle, wann diese Songs veröffentlicht werden. Sie werden hoffentlich immer eine Quelle der Stärke für die Menschen sein, die uns hören.

Da ihr über die ganze Welt verstreut seid: habt ihr das Album alle im gleichen Studio aufgenommen?

Marina: Wir sind alle ins Studio von Hannes im Süden Deutschlands gegangen. Wir waren aber nicht alle gleichzeitig dort, weil das kontraproduktiv wäre. (lacht)

Wir waren dort jeweils eine Woche lang. Und dann haben wir es nacheinander aufgenommen. Hannes hat alles später zusammengefügt, aber wir haben direkt mit ihm aufgenommen, was super wichtig war, weil er nicht nur ein unglaublich guter Produzent, sondern auch ein erfahrener Sänger ist. Und ihn als Gesangsproduzenten zu haben, war ein Schlüsselelement für den Sound unseres neuen Albums.

Das Album-Release ist ein großes Ereignis. Welche Überraschungen sind für 2024 geplant??

Anna: Nichts, was wir im Moment teilen können. Aber wir würden absolut gerne live spielen und einfach auf große Festivals gehen oder sogar eine Tour in Deutschland oder Europa oder den USA machen. Wir würden wirklich gerne mit diesen wunderschönen Songs und dieser wunderbaren Musik auf Tour gehen. Also alles, was ich im Moment sagen kann, ist, wenn ihr uns live sehen wollt, solltet ihr zu League of Distortion, Phantom Elite und Visions of Atlantis kommen. Da gibt es garantiert etwas im nächsten Jahr zu sehen.

Femmes Fatales handelt von reiner weiblicher Energie und Unabhängigkeit – und repräsentiert die Kraft von Frauen. Wir bei Dark Divas haben eine ähnliche Vision. Wie steht ihr dazu, in einer von Männern dominierten Branche erfolgreich zu sein?

Marina: Ich hoffe, wir können die Präsenz von Frauen in der Metal-Welt erhöhen. Denn wenn man Menschen sieht, die so sind, wie man selbst, dann bleibt das im Kopf. Wenn man eine Frau im Metal sieht, werden kleine Mädchen es sehen und denken: ‘Das ist cool. Das möchte ich auch machen!’ Und ich hoffe, dass wir zu dritt zusammen eine ordentliche Dosis Vorbildfunktion bieten können.

Und wir kommen aus verschiedenen Ländern und haben verschiedene ethnische Hintergründe, und ich hoffe, dass ich ein Vorbild sein kann, indem ich zeige, dass es für jede und jeden da draußen möglich ist, das zu tun, was wir tun.

Anna: Ich liebe die Art und Weise, wie du das gesagt hast. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, aber du hast absolut recht. Man kann Teil einer Band sein, man kann eine Band anführen. Egal, woher man kommt oder welchem Geschlecht man angehört. Das ist etwas, wofür wir wirklich stehen.

Gibt es noch etwas anderes, das ihr mit der Welt teilen möchtet?

Anna: Schamlose Eigenwerbung? (lacht)

Ich bin wirklich, wirklich dankbar, dass die Leute immer noch an Exit Eden interessiert sind. Wer kann garantieren, dass etwas, das 2017 veröffentlicht wurde, auch noch 2024 Interesse weckt? Und wir haben das bei unseren Shows mit unseren eigenen Bands erlebt, dass Leute zu uns gekommen sind und gefragt haben, ob es ein zweites Exit-Eden-Album geben wird. Und irgendwann, als wir wussten, dass es eines geben würde, konnten wir sagen: bleibt dran, es wird etwas geben.

Wir haben so viel Energie und so viel persönliche Liebe und Arbeit in dieses Album gesteckt. Wir freuen uns so sehr, es jetzt mit den Menschen zu teilen. Und natürlich freuen wir uns auch über jede Unterstützung von den Fans da draußen. 

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