„Mit der Musik aufzuhören, war für uns nie eine Option“

Was tut man, wenn man aus einer Band geschmissen wird? Genau. Man operiert als Trio fortan unter neuem Namen weiter und bringt die Rockwelt erneut zum Beben. „The Gems" heißt die Band der Ex-Thundermother-Musikerinnen nun – und Frontfrau Guernica und Gitarristin Mona sprechen mit uns über den Neuanfang sowie ihr erstes Album „Phoenix“.

Amanda Dizdarevic

AMANDA DIZDAREVIC

8. Feb. 2024

Interview
The Gems
Guernica Mancini
The Gems

In den vergangenen Jahren erlebten Thundermother einen Höhenflug: Ihre hochgelobten Studioalben füllten Konzerthallen bis zum Rand und brachten ihnen die Ehre ein, die legendären Scorpions auf ihrer nordamerikanischen Stadion-Tournee zu begleiten. Doch 2023 kam es zu einer unerwarteten Kehrtwende: Bandgründerin und Gitarristin Filippa Nässil entschied sich, Sängerin Guernica Mancini aus der Band zu schmeißen. Das wiederum führte dazu, dass Gitarristin Mona Lindgren und Schlagzeugerin Emlee Johansson die Band freiwillig verließen. Für die drei Musikerinnen war das jedoch nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Kapitels.

Hinweis: Das nachfolgende Interview fand vor der Veröffentlichung des Albums statt.

Habt ihr drei euch nach dem Ende eurer Thundermother-Zeit sofort darauf verständigt, als Trio weiterhin musikalisch aktiv zu bleiben?

Guernica: Wir haben das unmittelbar am Tag meiner Entlassung beschlossen. Mit der Musik aufzuhören, war für uns nie eine Option. Wenn wir das jemals tun sollten, wäre es unsere eigene Entscheidung und nicht die von jemand anderem.  

Der Erscheinungstermin eures Debütalbums „Phoenix“ nähert sich. Wie fühlt ihr euch so kurz vor der Veröffentlichung?

Guernica: Die Freude darüber, endlich unser erstes Album allen vorzustellen und als vollwertige Band anerkannt zu werden, lässt sich kaum in Worte fassen. Es wird oft gesagt, dass man erst als richtige Band gilt, wenn man Musik veröffentlicht hat, und genau das tun wir jetzt.

Mona: Das stimmt! Ich bin auch sehr gespannt, welche Songs bei den Zuhörern den stärksten Eindruck hinterlassen werden.

The Gems

The Gems

The Gems ist eine 2023 gegründete Band, die aus Ex-Mitgliedern der Band "Thundermother" besteht. Das Debut des Trios, Phoenix, erscheint im Jänner 2024 über Napalm Records.

Mitglieder

Guernica Mancini - Vocals Emlee Johansson - Drums Mona “Demona” Lindgren - Guitar

Irgendwelche Vermutungen?

Mona: Ich denke, dass vor allem „Running“ und „Domino“ bei unseren Fans gut ankommen könnten, da sie dem klassischen Rock nahestehen, und wir viele Anhänger dieses Genres haben. 

Ihr habt euch entschieden, eurem ersten Langspieler den Titel „Phoenix“ zu geben. Dieses Wort scheint auch die Entstehungsgeschichte der Band sehr gut zu beschreiben.

Guernica: Absolut! „Phoenix“ ist kein gewöhnliches Wort; es trägt eine tiefgreifende Geschichte in sich. Es verkörpert den Aufstieg aus der Asche und die Verwandlung zu etwas, das viel schöner, stärker und mächtiger ist. Genau so betrachten wir unsere eigene Entwicklung: Wir haben uns aus einer schwierigen, dunklen beruflichen Phase herausentwickelt und sind nun eine neu erblühte, farbenfrohe und kraftvolle Einheit.

Wie gestaltete sich der Start eurer Zusammenarbeit als Trio im kreativen Schaffensprozess?

Guernica: Wir haben uns enorm unter Druck gesetzt, was während des kreativen Prozesses natürlich zu erheblichem Stress geführt hat. Insbesondere das Schreiben von Lyrics empfand ich als ziemlich herausfordernd. Trotzdem bin ich stolz auf das Endresultat und finde, dass jeder einzelne Titel wirklich gut geworden ist. 

Mona: Als neue Band hatten wir zudem mit Budgetproblemen zu kämpfen. Wir mussten uns mit knappen finanziellen Mitteln arrangieren und gleichzeitig sicherstellen, dass die Qualität des Albums auf höchstem Niveau ist. Die Platte sollte mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser sein als „Black And Gold“ (Anm.: 2022), unser letztes Werk mit Thundermother. Dabei mussten wir jedoch mit der Hälfte des Budgets und einem Drittel der Zeit auskommen.

Es liegt auf der Hand, dass Vergleiche mit eurer ehemaligen Band unvermeidlich sind.

Guernica: Auf jeden Fall. Im Grunde sind wir immer noch Thundermother, allerdings in einer deutlich reiferen und freieren Form. Wir haben nun die Freiheit, den Klang zu erschaffen, den wir wirklich wollen, und das ist nun mal klassischer Rock mit modernem Touch. Ich bin überzeugt, dass unser Sound im Vergleich zu Thundermother anders sein wird, aber das liegt letztendlich im Ermessen der Zuhörer. 

Ihr spielt dennoch weiterhin einige Thundermother-Songs bei euren Live-Auftritten.

Guernica: Ja, das tun wir. Es liegt uns sehr am Herzen, dass unsere Fans die Songs so erleben können, wie sie ursprünglich konzipiert wurden. Wir tun das aber auch für uns selbst: Ein Beispiel dafür ist die Platte „Black And Gold“, die kaum die Chance hatte, angemessen wahrgenommen zu werden, bevor wir keine Band mehr waren. Während der nordamerikanischen Scorpions-Tour 2022 hatten wir nur die Gelegenheit, einige Stücke dieses Albums live zu präsentieren. Diese Titel müssen einfach gespielt werden, denn wir haben so viel Herzblut in sie gesteckt.

Welche persönlichen Entwicklungen habt ihr seit der Gründung von The Gems durchgemacht?

Guernica: Ich bin nicht sicher, ob The Gems der Grund dafür ist, doch die Freundschaft und die Verbindung zwischen uns Dreien haben mir neues Selbstvertrauen gegeben. Mit Mona und Emlee habe ich großartige Freundinnen gefunden; wir sind immer füreinander da. Diese Loyalität ist von unschätzbarem Wert und hat mich persönlich als Sängerin selbstbewusster und stärker gemacht.

Jetzt gibt es allerdings ein viertes Mitglied in eurer Runde: Gemma, euer Maskottchen. Was hat es mit ihr auf sich? 

Mona: Wir haben Gemma speziell für unser Merchandise ins Leben gerufen. Viele unserer Fans, besonders im deutschsprachigen Raum, bevorzugen düstere Designs auf ihren T-Shirts. Mit Gemma haben wir nun die Möglichkeit, eine Vielzahl von verschiedenen, düsteren Stilen anzubieten.

Gemmas Erscheinung erinnert stark an Eddie von Iron Maiden; sie könnte fast als Eddies kleine Schwester durchgehen.

Guernica: Ganz bestimmt – entweder als seine Schwester oder seine Tochter (lacht)! Emlee ist der größte Iron Maiden-Fan und trägt sogar ein Eddie-Tattoo auf dem Rücken. Daher fanden wir es richtig cool, unsere eigene Variante von ihm zu kreieren. Wir haben große Pläne für Gemma, ähnlich wie Iron Maiden mit ihren verschiedenen Versionen von Eddie.

Wie wäre es, wenn ab sofort bei euren Shows jemand im Gemma-Kostüm dabei ist und gemeinsam mit den Fans abfeiert?

Guernica: Geniale Idee! Das müssen wir unbedingt umsetzen! Sobald wir etwas mehr finanziellen Spielraum haben, könnten wir entweder ein Kostüm kaufen oder sogar selbst eines entwerfen. 

Apropos Konzerte: Wann und wo dürfen wir „Phoenix“ live hören?

Mona: Im Sommer werden wir auf mehreren Festivals spielen, darunter auch das Reload Festival (Anm.: in Sulingen, Deutschland). Für den Herbst ist hingegen eine komplette „Phoenix“-Tour geplant, bisher ist jedoch nichts in Stein gemeißelt.

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