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Giada “Jade” Etro von Frozen Crown im Talk über das neue Album „Winterbane“, die drei neuen Bandmitglieder und Probleme, als Frau in der italienischen Metalszene Gehör zu finden.

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Vielen Dank für deine Zeit, Giada! 2021 hat für euch nicht gerade rosig begonnen – drei Bandmitglieder sind ausgestiegen, um ihr eigenes Ding zu machen. Wie hart war es, passende, neue Bandmitglieder zu finden?

Giada: Ich muss sagen, dass die Trennung überhaupt keine negative Sache war. Wir haben 2021 mit frischem Wind begonnen. Der Prozess der Trennung startete schon vor einem Jahr, nur haben wir es erst mit Ende 2020 angekündigt. Es war eigentlich relativ einfach, neue Bandmitglieder zu finden. Wir haben Recherche betrieben, uns umgehört und dann die richtigen Leute ziemlich schnell gefunden.

Habt ihr noch Kontakt?

Giada: Ja! Es war ja kein persönliches Problem. Talia, Filippo und Alberto haben die Band verlassen, um ihre eigenen Projekte zu verfolgen und ihren eigenen Weg zu gehen. Und das ist okay.

Wart ihr schon mittendrin in der Produktion für „Winterbane“?

Giada: Wir haben bereits daran gearbeitet, das war aber kein Problem. Unser Drummer Niso hat bereits vor einem Jahr begonnen, mit uns zusammen zu arbeiten. Mit Fabiola waren wir ebenfalls ständig in Kontakt. Ich und Federico schreiben ja die Songs – von da her hatten wir auch keine Schwierigkeiten. Wir hatten glücklicherweise die Chance und die Zeit dazu, Sheena und Niso ins Album einzubinden. Fabiola schickte uns ihre Solos zu, die Arrangements mit dem Bass ließen sich mit Francescos Hilfe leicht anpassen. Sie hatten also die Möglichkeit, den Songs ihren persönlichen Touch zu verleihen, obwohl die Grundstruktur von mir und Federico kam.  

Ihr kommt aus Italien, die Lombardei war eine der Regionen, die am härtesten vom Coronavirus betroffen war.

Giada: Niemand von meinen Liebsten und von Leuten, die mir nahe stehen, hat sich mit dem Coronavirus infiziert – deshalb habe ich am Anfang nicht ganz verstanden, was gerade auf der Welt passiert. Aber als sich der Virus überall verbreitete, wurde mir klar, was das bedeutet. Es war hart – in allen Bereichen. Wenn du die Leute um dich herum leiden siehst, am Rande des Todes, dann wird dir das Ausmaß wirklich bewusst. Du realisiert, dass Corona nicht fake oder gar eine Verschwörung ist. Ich war immer brav – war daheim, hab niemanden getroffen. Im Moment sehe ich beide Seiten. Auf der einen denke ich mir: Das was gerade passiert, ist echt heftig. Auf der anderen: Oh mein Gott, wir verschwenden unsere Leben, verlieren extrem viel Zeit, die uns niemand zurückgibt, und verpassen so viele Gelegenheiten. Aber zum Schutz unserer Liebsten ist es das wert.

Das erste Ergebnis der Zusammenarbeit in brandneuer Konstellation können Fans seit dem 23. April hören und nennt sich „Winterbane“! Wie war die Reise für dich?

Giada: Für Federico und mich war die Situation eine leichte, wir leben zusammen, wir sind ja verheiratet. (lacht) Die Technologie half uns sehr, uns mit den Bandmitgliedern, die nicht in der Nähe wohnen, auszutauschen. Getroffen haben wir uns auch ab und an. Wir haben alle Vorbereitungen getroffen, die es gibt, um sicher zu sein – inklusive Covid-Test. Wir waren immer sehr vorsichtig und haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

Inwiefern hat sich das Songwriting und die Produktion von „Winterbane“ von „Crowned in Frost“ und „The Fallen King“ unterschieden?

Giada: Es war nicht viel anders. Die Masterminds hinter den Songs sind immer noch Federico und ich. Allerdings haben wir uns musikalisch dazu entschieden, ein bisschen zu experimentieren. Manche Songs auf Winterbane haben einen anderen Sound, als es für Frozen Crown typisch wäre. Was die Produktion angeht, hatten wir natürlich ein paar Einschränkungen. Wäre alles normal, wären wir wahrscheinlich mehr gereist, um uns zu treffen. Aber wir haben es trotzdem gut gemanaged.

Was gibt dir für die Songtexte Inspiration?

Giada: Wir hören unterschiedlichste Musik – Genres und Songs, die du dir nie vorstellen würdest, dass wir sie hören. (lacht) Natürlich auch geliebte „Classics“ aus Skandinavien, aus dem Melodic Death Metal und Power Metal. Daraus ziehen wir Inspiration und kreieren die Tonalität der Songs. Bei den Songtexten gehe ich immer so vor: Ich versuche eine Grundidee zu haben. In „Towards the Sun“ wollte ich über das Vergehen der Zeit schreiben – in Anbetracht der aktuellen Situation, ein passendes Thema. Ich starte mit der Idee, die ich kommunizieren will und entwickle sie stetig weiter. Dann versuchen wir die Message anhand von Metaphern zu verdeutlichen. Das Grundziel ist immer dasselbe: Wir wollen Leute mit unseren Botschaften jeden Tag aufs Neue motivieren.

Hast du ein musikalisches Vorbild?

Giada: Seit ich jung bin, ist mein Idol immer schon Floor Jansen gewesen. Außerdem bin ich mit Stratovarius, Children Of Bodom und dergleichen aufgewachsen. Auf den Frozen Crown Alben hört man die Einflüsse dieser Bands.

Einer meiner Favoriten auf dem Album ist “Angels in Disugise”, im Featuring mit Federica von Volturian. Eure Stimmen passen super zueinander – ein spannendes Duett. Wie war die Zusammenarbeit? Seid ihr abseits des Musikmachens befreundet?

Giada: Auch auf Volturians „In A Heartbeat“ sind wir im Duett zu hören – das war der erste Song, den wir zusammen auf die Beine gestellt haben. Wir haben beide total unterschiedliche Stimmen. Sie ist sehr feminin, ich bin eher aggressiv. Das schafft einen interessanten Mix. Es war ein Vergnügen, sie als Featuring auf dem Album zu haben. Und ja, wir sind auch abseits der Musik befreundet. Sie ist eine sehr aufrichtige, offene und lustige Person. Als wir uns kennengelernt haben, haben wir sofort gemerkt, dass wir ähnlich ticken.

Heißt das, Fans dürfen sich über noch mehr Duette von euch beiden freuen?

Giada: Ich würde gerne öfter gemeinsame Sache machen, ja. Wir haben beide einen sehr fokussierten und professionellen Zugang zur Arbeit. Das ist sehr wichtig, wenn man zusammenarbeiten möchte. Also von mir aus gerne, es funktioniert gut!

Dein Lieblingssong auf dem Album ist „Crown Eternal“. Warum?

Giada: Ich glaube ich habe eine besondere Verbindung zum Song, weil er eine Art Fortsetzung von „The Shieldmaiden“ auf dem ersten Album ist. Der Songtext ist sehr motivierend und introspektiv. Wir wollen Leute damit animieren, sie selbst zu sein, stark zu sein und ihre Ziele zu verfolgen. Außerdem hat der Song etwas Magisches für mich – wenn ich die melodischen Arrangements zusammen mit den Vocals höre, bekomme ich Gänsehaut.

Du hast außerdem mal erwähnt, dass du nie und nimmer auf italienisch singen wirst. Warum die Abneigung gegenüber deiner Muttersprache?

Giada: In Italien erfährt Metal nicht wirklich Unterstützung, also lohnt es sich nicht.

Was denkst du, warum ist das so?

Giada: In unserer Kultur ist Heavy Metal immer noch „Underground“. Es kommt extrem selten vor, dass du in einen Shop reinläufst oder an irgendeinem öffentlichen Platz abhängst und da wird Rock oder Metal gespielt. Das existiert hier kaum. Wir haben zwar viele Fans aus Italien, es gibt also eine Szene. Aber generell wird das Genre eher wenig unterstützt. 

Was kommt als nächstes: Habt ihr eine Tour geplant? Einen Online-Gig? Ein virtuelles Meet & Greet?

Giada: Wir machen mit dem Videodreh für die Songs auf Winterbane weiter, in ein paar Wochen gibt es bereits das nächste. Und wir arbeiten hart an unserem YouTube-Channel: Frozen Crown. Wir machen viele lustige Videos, Videos darüber, wie wir Songs zusammenstellen oder Playthroughs. Dadurch bleiben wir mit den Fans in Kontakt. Wir fokussieren uns aktuell darauf und sind sehr zufrieden mit dem Feedback, das wir auf dem Channel bekommen.

Neben der Musik arbeitest du als Zahnärztin. Warum hast du dich für diese Karriere entschieden und praktizierst du regelmäßig?

Giada: Ja, klar. Ich arbeite auch aktuell aktiv mit Patient*innen. Ich war schon immer sehr neugierig – liebe Naturwissenschaften und Medizin. Als ich ein kleines Mädchen war, musste ich für eine Zahnspange zum Zahnarzt. Da wurde mir sofort klar: Das will ich machen, wenn ich „groß“ bin. (lacht) Aber ich hatte schon immer zwei Seiten: Die Medizin, die mich in die Zahnheilkunde geführt hat – und die Musik.

Beide Branchen, Medizin und Metal, sind ja eher männlich dominiert. Ist es schwieriger, dich im Metal oder in der Zahnheilkunde gegen Kollegen*innen zu behaupten?

Giada: In der Zahnheilkunde sehe ich heutzutage keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Es gibt mittlerweile viele Zahnärzt*innen, Kieferorthopäd*innen und Chirurg*innen. Im Metal – und da spreche ich jetzt vom Metal in Italien – werden Frauen nicht ernst genommen. Viele denken sich einfach: “Ah ja, das nette Mädchen von nebenan, das halt eine Band hat und ein Instrument spielen kann”. Das ist mir vor Frozen Crown auch so gegangen. Es gibt da ein Zitat, das ich sehr passend finde: “Frauen müssen doppelt so hart arbeiten, wie Männer, um halb so gut wahrgenommen zu werden.” Ich habe aber auch das Gefühl, dass das außerhalb von Italien besser ist.

Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit Frauen wahrgenommen werden?

Giada: Ich glaube, das ist sehr schwierig zu ändern. Dafür braucht es Zeit. Sobald du anfängst zu beweisen, dass du hart arbeitest und deine Band durchaus Erfolg hat, dann ändern sich die Dinge. Aber es ist oft ein Kampf.

Warum nennst du dich selbst “Jade“? Hat sich der Künstlername einfach so ergeben?

Giada: Das hat in der Schule begonnen, als wir die ersten Englischstunden hatten. Wir haben herumgeblödelt und uns englische Namen gegeben. Seither ist mir der Name geblieben. Außerdem ist es für Leute, die nicht italienisch sprechen, sehr viel einfacher „Jade“ auszusprechen.

Was sind deine persönlichen Ziele und Wünsche für 2021?

Giada: Wenn es möglich wird – Live-Gigs spielen. Das ist mein größter Wunsch. Wenn nicht heuer, dann 2022. Mein Wunsch ist es vor allem immer besser zu werden: Mit meiner Gesangstechnik, mit meinen Performances und am Bass. Ich habe während der Pandemie wieder damit angefangen Bass zu spielen und ich möchte jetzt ein Bass-Phänomen werden! (lacht)

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