Dark Divas Exclusive

Was Melissa Bonny als Solo-Crowdfunding-Projekt startete, ist jetzt der aufsteigende Stern am Metal-Himmel. Mit Dark Divas hat sie über das neue Album, das vergangene Jahr und Corona geredet.

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Melissa, ihr habt euer zweites Album Chapter I Revisited veröffentlicht. Es ist das Acoustic-Album zum im Frühjahr erschienenen Chapter I – Monarchy. Erzähl mir etwas von dieser Idee, relativ rasch von eurem Debut-Album eine Acoustic-Version zu machen.

Melissa Bonny: Wir hatten das gar nicht geplant. Und vor allem nicht so schnell. Aber als wir mit der Situation konfrontiert waren, dass unsere erste Tour aufgrund von Corona verschoben werden musste und uns klar wurde, dass wir in diesem Jahr wahrscheinlich gar nicht auftreten können, mussten wir unsere Strategie ändern. Wir wollten etwas finden, mit dem wir die Verbindung zu unseren Fans aufrechterhalten können. Wir wollten ihnen etwas bieten, obwohl wir nicht auf Tour gehen konnten. Auf dem ersten Album Chapter I – Monarchy sind zwei Bonus Tracks. Das sind akustische Tracks. Unseren Fans haben diese sehr gefallen. So wurde die Idee geboren.

Ohne Corona hätte es Chapter I – Revisited nicht gegeben?

Melissa: Genau so ist es.

Der Sound auf Chapter I – Revisited ist sphärisch, sanft, bewegend auf sanfte Art. Wie waren die Aufnahmen für dich als Sängerin.

Melissa: Mir war wichtig, nicht einfach zu kopieren. Das neue Album sollte nicht nach einer Copy-Paste-Version von Chapter I – Monarchy klingen. Es soll eigenständig sein. Die Leute sollen den Unterschied hören. Ich habe die Gesangslinie zum Beispiel anders gestaltet. Meine Stimme habe ich dem sanften Sound der Instrumente angepasst. Ich setze sie dann ganz anders ein. Denn der Klang ist natürlich weicher. Ich muss aber sagen: Einen großen Teil der Arbeit hat Adrian (Anmerkung d. Redaktion: Adrian Theßenwitz, Gitarre) gemacht. Er hat alle Songs genommen und sie mit seinen Gitarrenklängen total verwandelt. Er hat verschiedenste Gitarren verwendet und die Orchestrierung verändert. Er hat Großartiges geleistet.

Ihr musstet eure erste Tour im Frühjahr Corona bedingt verschieben. Das heißt das neue Album ist in Corona-Zeiten entstanden. Wie können wir uns das vorstellen. Lange Zoom-Meetings oder wart ihr gemeinsam im Studio?

Melissa: Wir machten alles aus der Ferne. Tatsächlich haben wir uns als Band im ganzen Jahr nur ein Mal richtig getroffen. Das war als wir das Live in Cologne aufnahmen. Das Album haben wir gänzlich von zu Hause aufgenommen.

Ihr seid also schon routiniert und könnt gut auf Distanz arbeiten?

Melissa: Oh ja! Genau genommen hat sich die Band seit ihrem Bestehen genau drei Mal richtig getroffen. Wir haben uns das erste Mal in Madrid für das Fotoshooting gesehen. Das zweite Mal beim Videodreh für Marching on Versailles und See You In Hell. Das dritte Mal war diesen Sommer eben für die Live-Show und den Dreh für die zwei Videos für das Acoustic-Album.

Jetzt schreibt ihr das erste Kapitel, Chapter I. Was wird in Chapter II passieren, gibt es schon Pläne?

Melissa: Wir arbeiten natürlich schon an neuen Songs. Ein paar Demos sind auch schon fertig. Die Arbeit am Album ist dieses Mal etwas anders. Denn dieses Mal sind die Jungs (Anm. der Redaktion: Adrian Thießen, Niklas Müller und Jonas Asplind) von vornherein dabei. Beim ersten Album sind sie erst in der Hälfte des Songwritings dazu gekommen. Wir arbeiten jetzt auch mit neuen Einflüssen. Du hörst immer noch den Ad Infinitum Sound, aber es wird anderes, andere Genres werden einfließen.

Du hast 2018 das Projekt zunächst alleine gestartet – mittels Crowdfunding. Du hast dir aber Niklas Müller, Adrian Theßenvitz und Jonas Asplind ins Boot geholt. Wie kam es zu dieser Bandkonstellation und wie ergänzt ihr euch, wie können wir uns den künstlerischen Prozess vorstellen?

Melissa: Nik und ich sind schon lange Freunde. Wir waren schon gemeinsam auf Tour. Ich weiß, er ist ein großartiger Musiker. Als ich ihn fragte, ob er in die Band möchte, sagte ich ihm, er könne sich aussuchen, ob als Gitarrist oder Drummer. Er beherrscht beides perfekt. Er überlegte kurz und meinte, dass er eigentlich schon sehr lang in keiner Band mehr die Drums gespielt hätte. So wurde er unser Drummer. Er meinte dann, er würde noch einen einmaligen Gitarristen kennen. Das war Adrian. Wir haben uns sofort verstanden. Wichtig ist: Leute auszuwählen, die gute und erfahrene Musiker sind. Sie sollten aber Freunde-Potenzial haben. Denn auf Tour verbringst du viel Zeit miteinander. Und diese Zeit soll Spaß machen. Wir vier passen einfach gut zusammen. Jeder bringt seine Skills mit. Adrian ist ein Meister der Gitarre – er bringt sehr atmosphärische Sounds rein, die ich noch nie vorher gehört habe. Nik ist ein Ausnahme-Drummer. Jonas ist am Bass einmalig präzise. Ich bringe meine Stimme mit. Jeder hat etwas, was wir brauchen. Manchmal komme ich zum Beispiel mit einem Demo-Tape daher. Adrian und Nik hören sich das dann an und machen daraus etwas zehn Mal besseres. Wir sind alle Spezialisten auf unseren Gebieten und bereichern uns gegenseitig.

Ad Infinitum ist noch eine junge Band. Aber in den letzten zwei Jahren ging vieles, schnell voran. 2018 Bandgründung, 2019 Record-Deal, 2020 zwei Alben. Wie hast du diese zwei Jahre empfunden?

Melissa: Ich empfinde dabei gemischte Gefühle. Alles, was passiert ist, ist sehr ermutigend aber auch etwas belastend. Die letzten zwei Jahre waren genial und wir sind super happy. Aber wir wissen, dass wir jetzt liefern müssen, damit es so bleibt. Das wollen wir nicht verlieren und das macht etwas Druck. Grundsätzlich gilt: Wir sind happy und ungeduldig, denn wir können es kaum erwarten live zu spielen.

Coole Frauen gibt es im Metal viele – dennoch ist er so wie im Allgemeinen das Musikbusiness ein von Männern dominierter Bereich. Wie gehst du damit um bzw. wo siehst du noch Handlungsbedarf?

Melissa: Ich versuche dem nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken und mein Verhalten davon nicht beeinflussen zu lassen. Wenn es einmal unpassende Kommentare gibt, die zu weit gehen, denke ich mir, sie kommen von jemanden, der nicht richtig erzogen wurde – sagen wir es so. Was sich ändern sollte: Es gibt extrem viele Vergleiche zwischen Frauen im Metal. Wer ist die beste Sängerin, wer ist die beste Screamerin und so weiter. Das gibt es bei Männern in diesem Ausmaß nicht. Bei uns Frauen werden unnötig Wettkämpfe heraufbeschwört. Sobald eine Frau im Metal ist, wird verglichen. Ich mag auch den Begriff Female Fronted Band nicht. Man sagt ja auch nicht Male Fronted Band.

Noch kurz zu dir und deiner persönlichen Metal-Geschichte. Wann wusstest du, du möchtest Metal machen?

Melissa: Ich wusste, dass ich eine Band wollte. Das war sehr früh klar. Aber das Genre war nicht klar. Ich bin hier so reingeraten. Ein Freund von mir war in einer Metal-Band. Sie suchten eine Sängerin. Ich kam bei den Proben vorbei und machte mit. Es gefiel mir. Mit jedem Tag mochte ich es mehr. Jetzt könnte ich mir nicht mehr vorstellen was anders zu tun – zum Beispiel eine Jazz-Formation zu gründen, das wäre undenkbar. Ich liebe Metal so sehr. Aber am Anfang ging es nur darum, mit Freunden Musik zu machen.

Wir haben vorhin schon kurz über Corona geredet – aber es ist das Thema, das wir momentan nicht umgehen können. Wie hast du die Zeit des Nicht-Auftretens bisher verbracht und gibt es Positives, dass du aus dieser Zeit mitnimmst.

Melissa: Um ehrlich zu sein: Am Anfang war es schrecklich. Die Tour wurde abgesagt. Wir hatten uns alles so schön vorgestellt. Kurz dachten wir, jetzt ist alles vorbei. Aber wir haben einen Weg gefunden, etwas Gutes daraus zu machen. Das neue Album kommt, bald wird noch ein Video veröffentlicht. Wir haben also trotz der Situation, in der wir nicht live auftreten konnten, über Social Media ständig mit unseren Fans unser Community Kontakt gehalten. Da ist richtig groß geworden. Ehrlich gesagt: Es war überwältigend.

Zum Abschluss: Deine Message an die Dark Divas Community?

Melissa: Bleibt sicher, bleibt geduldig – ich weiß, es ist klischeebehaftet, aber das wünsche ich mir. Und: Wir freuen uns jetzt schon auf euch, euch zu treffen, live zu spielen und gemeinsam ein Bier zu trinken.

Das Interview führte Ursula.

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